Verblüffendes am Freitag. {Menschen und Fahrstühle}

Das Nuf hat sie vor geraumer Zeit schon mal beschrieben: Die Aufzughonks.
Jeder kennt sie, trifft sie – wenn er Pech hat – mehrmals täglich und so werden in den Kommentaren zum Artikel so ziemlich alle Unterarten dieser Spezies ergänzt: Die Oft-Drücker, Alles-Drücker, Hoch-Und-Runter-Drücker, Reindrängler, Nur-ein-Stockwerk-Fahrer…

Heute lernen wir dann auch noch den „Ich-bin-nicht ganz sicher-ob-ich-im-richtigen-Stockwerk-bin-und-bleibe-deshalb-unschlüssig-im-Aufzug-stehen“-Lauch, sozusagen den Nicht-Aussteiger, kennen.

Den gibt es in einem von mir oft besuchten Gebäude sehr häufig. Warum diese Menschen so unsicher sind, ob sie denn auch tatsächlich im richtigen Stockwerk angekommen sind, erschließt sich mir nicht. Denn man kann im Prinzip nicht ins falsche Stockwerk fahren*. Und zwar aus folgendem Grund: Man wählt das Wunsch-Stockwerk VOR dem Einsteigen in den Fahrstuhl an einem Display aus. Nicht erst, wenn man schon im Fahrstuhl drin ist. Das erspart eine Menge Ärger über Oft-Drücker, Alles-Drücker, Hoch-und-Runter-Drücker, da es diese Möglichkeiten nicht gibt.

Ein Beispiel: Mein Büro befindet sich im 5. Stock und ich möchte in den 20. Stock (dort habe ich eine Besprechung). Ich gehe zum Aufzug, wähle am Display das entsprechende Stockwerk (hier: 20) aus und bekomme angezeigt, mit welchem Aufzug ich fahren darf. Hier: Aufzug C.

Ich freue mich also, keine der oben genannten „Drücker“ zu treffen und stelle mich vor den entsprechenden Fahrstuhl und warte. Und dann passiert es: Der Aufzug kommt und es steht jemand drin. Der** in den 5. Stock möchte. Wo er ja nun angekommen ist. Aber anstatt auszusteigen, bleibt er** drin, bewegt sich unkontrolliert vor und zurück und nach rechts und links (immer mal wieder in die Lichtschranke der Tür, die dadurch offen bleibt und sich nicht wieder nach 10 Sekunden schließt). Sieht sich hektisch um, auf der Suche nach der Stockwerksanzeige. Die er in seiner Aufregung nicht findet, obwohl sie in dreifacher Ausfertigung vorhanden ist. Darüber hinaus wird das erreichte Stockwerk noch über einen Lautsprecher angesagt!


Ich selbst stehe noch immer vor der Aufzugtür, denn ich mag gewisse Grundwerte und Höflichkeiten und lasse erst aussteigen, bevor ich einsteige (natürlich mit entsprechend viel Platz vor der Aufzugtür, nicht direkt davorstehend).

Der hektisch-unsichere Nicht-Aussteigen-WollerKönner läuft mittlerweile wie ein aufgescheuchtes Huhn durch den Aufzug, guckt mich fragend an. Ich frage also: „Raus oder weiter hoch?“, mit einem Arm die Lichtschranke blockierend. Ein Fragezeichen schaut zurück. So versuche ich schon mal einzusteigen, denn der andere kann sich ja offensichtlich nicht entscheiden. Ich hingegen weiß ja, wo ich hin will und bin auch sehr sicher, im richtigen Aufzug zu sein. Was mir auch an der Anzeigetafel bestätigt wird.
Wie gesagt, ich versuche einzusteigen. Ich habe nicht ewig Zeit, die Aufzugtür auch nicht. Sie schließt nach wenigen Sekunden. Doch just in dem Moment, in dem ich einen Fuß in den Aufzug setzen will, registriert mein Gegenüber, dass es ja raus muss und bewegt sich wieder Richtung Aufzugtür. Ich weiche instinktiv zurück und will ihn aussteigen lassen.

Und dann passiert das Allerbeste: In jenem Augenblick, in dem der andere Mensch sich entschieden hat, den Aufzug zu verlassen, schließen sich die Aufzugtüren. Und es geht ohne Zwischenhalt ab in den 20. Stock. Leider auch ohne mich. Was wirklich schade ist, denn ich hätte gerne gesehen, was im 20. Stock passiert, wo ja jetzt jemand angekommen ist, der da gar nicht hinwollte.

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Die Fotos habe ich bei meiner zweiten, reibungslosen, Fahrt in den 20. Stock aufgenommen. Per Mobiltelefon.

*Natürlich kann man im falschen Stockwerk aussteigen. Wenn man nicht auf die Anzeige und die Ansage achtet. Weil man vielleicht sehr ins Gespräch vertieft ist mit seinen Mitfahrern. Oder weil man generell verpeilt ist. Oder weil man in den falschen Aufzug einsteigt, der gerade zufällig ankommt. Das hängt dann aber auch mit einer gewissen Verpeiltheit zusammen und ist eine andere Geschichte.
Grundsätzlich aber kann man mit dem beschriebenen Vorgang nicht im falschen Stockwerk ankommen.

**Den Nicht-Aussteiger gibt es in allen Geschlechtsvariationen.

3 Gedanken zu „Verblüffendes am Freitag. {Menschen und Fahrstühle}

  1. Frau Landgeflüster

    Ich fahre glücklicherweise keinen Fahrstuhl, arbeite aber auch nur im dritten Stockwerk. Aber unser Fahrstuhl sagt die Etage an, damit sich auch blinde Kollegen zurecht finden. Das wäre vielleicht ein Verbesserungsvorschlag für Euch 😉

    Antwort
    1. Nicole Autor

      Angesagt wird das Stockwerk auch, aber vielleicht ist die Ansage zu leise… Ich werde das kommende Woche mal testen und wenn es klappt, hier eine Aufnahme einstellen. 🙂

      Antwort

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