Hier ist ein Mensch!

Kennst du seinen Namen?
Seinen Namen kennst du nicht
Sieh zu ihm hinüber
Und dann kennst du sein Gesicht

Hier ist ein Mensch, schick‘ ihn nicht fort
Gib ihm die Hand, schenk’ ihm ein Wort
Hier ist ein Mensch, der will zu dir
Du hast ein Haus, öffne die Tür

Öffne die Tür
Hier ist ein Mensch, der will zu dir

Kennst du seine Sorgen?
Weißt du wirklich, was ihn quält?
Schenke ihm Vertrauen
Weil er dann es dir erzählt

Hier ist ein Mensch, der ist allein
Du bist es nicht, ruf‘ ihn herein
Hier ist ein Mensch, der will zu dir
Du hast ein Haus, öffne die Tür

Öffne die Tür
Hier ist ein Mensch, der will zu dir

Du willst das nicht hören
Wer sich plagt, sagst du, gewinnt
Doch du müsstest wissen:
Auch das Glück ist manchmal blind

Hier ist ein Mensch, der wird nicht geh’n
Wenn du versuchst, ihn zu versteh’n
Hier ist ein Mensch, der will zu dir
Du hast ein Haus, öffne die Tür

(Peter Alexander)

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Aus welchen Gründen auch immer Menschen ihre Heimat verlassen, gar verlassen müssen, flüchten (nicht auswandern!), ist doch erst einmal völlig unerheblich. Es sind Menschen, die da nach wochen-, wenn nicht sogar monatelanger Odysee nach Europa, nach Deutschland kommen. Menschen, die ein ebensolches Recht auf Freiheit haben, wie wir. Wir, die wir das Glück haben, in einem freien Land frei und zuhause sein zu können und so leben zu dürfen, wie wir möchten. Wir haben aber nicht das Recht, jemand anderem diese Freiheit zu verwehren.

Die Freiheit, die auch die Menschen in Freital vor 26 Jahren wieder erlangt haben. Freiheit, die die Menschen in Harvestehude gar nicht anders kennen und die jetzt im Prinzip doch nur Angst haben um ihre eigene Bequemlichkeit. Die sich bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung hinstellen und sagen, sie hätten Angst, dass die Kriminalität ansteigt und der Drogenhandel vor ihrer Tür stattfindet. Als kämen da nur Verbrecher, Dealer und völlig ungebildete Analphabeten. Schon mal darüber nachgedacht, dass der gut ausgebildete Mittvierziger aus Syrien in seiner alten Heimat eventuell in ähnlich guten Verhältnissen gelebt haben könnte, wie Sie in Harvestehude?
All diesen Menschen möchte ich zurufen: Es sind nicht einfach nur „die Flüchtlinge“. Es sind Menschen. Menschen wie SIE und ICH. Mit der Hoffnung auf eine neue Heimat, eine neue Freiheit, mit dem Mut, das alles irgendwo fern der alten Heimat zu suchen.

Gebt Ihnen die Hand und öffnet Eure Türen.
Vor allem die zu Euren Herzen!

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Ich bin zum Glück nicht alleine. Wir sind viele. Und es gibt viele wunderbare, Hoffnung machende Worte und Taten zu diesem Thema, das mich ganz arg beschäftigt. Hier ein kleiner Auszug:

Stefanie von In der Nähe bleiben: „Heimat ist nichts als Zufall. Wir haben ja gar nichts dafür getan. Wir haben es uns nicht verdient oder so, dass wir in vollkommener Sicherheit leben. Und es steht uns nicht zu, sie jemand anderem zu versagen.“

Frau Novemberregen:  „Deshalb meine Bitte – helfen Sie den Menschen, die aus anderen Ländern hierher kommen. Und wenn Sie verunsichert sind, denken Sie die Sache noch einmal durch, ich bin mir sehr sicher, sie kommen zu diesem Ergebnis: die Angst und Verunsicherung der Flüchtlinge muss unermesslich viel größer sein als die Ihre. Reichen sie eine Hand, das ist das, was „wir“ untereinander so tun.“

Béa, von Tollabea, die auch ein Flüchtling ist. Und ich finde, man kann ihre Geschichte noch besser verstehen, wenn man das Land in der von ihr beschriebenen Zeit kennt. Ich war Anfang der 1980er Jahre zwar nur zwei, drei, vielleicht vier Mal in Rumänien, weil mein Onkel eine Rumänin heiratete. Ich war damals 10, 11 Jahre alt und sah das mit Kinderaugen. Aber ich habe so viele und so nachhaltige Erinnerungen an diese Reisen, die Menschen, die Erlebnisse dort, dass ich das niemals vergessen werde.

Die Kaltmamsell, die wie ich auch nicht so recht die richtigen Worte finden will, weil einen das Thema und auch die Berichterstattung so fassungslos machen. Und die eine weitere, wahre Geschichte von Krieg, Flucht, dem Leben danach und was das mit dem Heute zu tun hat, gefunden und verlinkt hat.

Frau Momo, die so wie ich Angst und Wut verspürt angesichts hirnloser Parolen und dem neuen Begriff des „Asylkritikers“. Asylkritiker… Ist das nicht eine tolle Umschreibung für nichts anderes als einen Flüchtlingshasser? Ja, die Asylpolitik mag überdenkenswert sein. Ja, es können nicht alle hierbleiben. Ja, es kommen bestimmt auch schwarze Schafe an, die sich hier vielleicht etwas erschleichen wollen. (Aber mal ehrlich: Wer nimmt eine unsägliche Flucht übers Meer oder über mehrere Länder in Kauf, nur um sich hier in Deutschland Sozialleistungen zu erschleichen? Anm.) Ja, man müsste eigentlich die Umstände beseitigen, die die Menschen dazu bringen, ihre Heimat in Afrika, Syrien, SüdOsteuropa… zu verlassen. Aber auch das alles ist zunächst völlig ohne Belang. Wenn geflüchtete Menschen hier ankommen, müssen wir ihnen helfen!

Beiträge aus meiner Regionalzeitung zu einer großartigen Organisation der örtlichen Kirchengemeinden. Schon aus dem Mai und Juni 2014. Aber heute noch so aktuell wie vor über zwei Jahren: Niemand verlässt ohne Not seine Heimat.
Die CFEE (Christliche Flüchtlingshilfe Egelsbach/Erzhausen) leistet wirklich bemerkenswerte, hervorragende Arbeit. Und ist, wie ich finde, nicht nur ein Vorbild für den gesamten Kreis. Sondern für alle! Denn:

Hier ist ein Mensch. Ein Mensch wie SIE und ICH.

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Update 02.09.2015.
Aus aktuellem Anlass habe ich diesen Beitrag heute bei Blogger für Flüchtlinge verlinkt. Mittlerweile überschlagen sich die Ereignisse und die Berichterstattung, man kommt kaum hinterher. Da mich dieses Thema auch sehr beschäftigt, habe ich einen weiteren Beitrag geschrieben, den Sie gerne hier lesen dürfen. Auch dieser Artikel ist verlinkt bei Blogger für Flüchtlinge.

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4 Gedanken zu „Hier ist ein Mensch!

  1. Pingback: Hilfe so groß wie ein Berg #BloggerfürFlüchtlinge |

  2. Frau nima

    Ein toller Beitrag – mir geistert schon tagelang ein Post im Kopf herum, aber die Finger zögern, dass zu schreiben, was ich mir denke – soviel Haß wie die letzten Tage habe ich noch nie erlebt und das immer wieder dagegen argumentieren und erklären macht müde, traurig und lässt mich verzweifeln.

    Vielen Dank für deinen Post!

    Alles Liebe nima

    Antwort
    1. Nicole Autor

      Danke schön!

      Wir dürfen nicht aufgeben. Auch wenn wir müde und traurig werdenund verzweifeln möchten.
      Wir dürfen nicht schweigen. Das haben unsere (Ur)Großeltern schon gemacht. Deshalb: Raus mit deinem Post. 🙂 Es kann nicht genug davon geben!

      Antwort

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