Eine Seefahrt, die ist lustig. Eine Flussfahrt auch. {Schifffahrt auf Main, Rhein und Neckar}

Dass ich ein Faible für Wasser habe, konnte man dem einen oder anderen Beitrag hier eventuell schon mal entnehmen. Am liebsten Meerwasser. Es geht aber auch Seewasser. Oder Flusswasser. Hauptsache, ich bin am Wasser. Auf dem Wasser bin ich kurioserweise nicht so gern. Oder sagen wir mal so: Nicht so gerne zu dicht über der Wasseroberfläche. Eine Nussschale, ein Tret-, Gummi- oder Ruderboot, ein Kajak oder ähnliche Gefährte kommen für mich nicht in Frage, um mich aufs Wasser zu begeben. Da müssen mindestens drei Meter oder mehr zwischen mir und der Wasseroberfläche sein. Auf die ich logischerweise von oben herab gucke. Nicht von unten hoch. Und das Wasser muss relativ ruhig sein. Stürmische See macht komische Sachen mit mir.

Zumindest war das in meiner Kindheit so. Zum Beispiel als ich Ende der 1970er-, Anfang der 1980er mit meinen Eltern auf Fehmarn urlaubte, wir eine der damals noch üblichen „Butterfahrten“ machten, um kostengünstig Alkoholika Schokolade zu erwerben und eine Seefahrt der besonderen Art erlebten. Das Meer war an jenem Tag nämlich ziemlich aufgewühlt, mindestens zwei Drittel der Fahrgäste hatten merklich Probleme mit dem Seegang. Darunter auch mein Papa und ich. Und mittendrin in der Menge der über der Reling (und über den Kloschüsseln) hängenden Menschen stand ein sehr alter Seemann, zuständig für den ordnungsgemäßen Zustand der Schiffstoiletten, und sang „Eine Seefahrt, die ist lustig…“ – mit nur noch drei Zähnen im Mund.

Ob mich seine Singerei damals wirklich aufgeheitert hat, wo diese Seefahrt für mich ja gerade nicht so lustig war, weiß ich heute nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich alles heiterer fand, als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Und etwas zum Essen vor mir auf dem Tisch stand.

Deshalb gilt für mich: Je höher die Bordwand, desto besser! Je ruhiger die See, desto eher gehe ich auf ein Schiff!

Fährüberfahrten und Flussschifffahrten hingegen waren bisher kein Problem für mich. Und wenn es einem nicht schlecht geht bei einer solchen Schifffahrt, dann ist Schifffahren mit das Entspannendste überhaupt, das man machen kann. Die Ruhe des Wassers, die Souveränität des Kapitäns, die Entspanntheit der anderen Fahrgäste, die ruhig vorbeiziehende Landschaft – das überträgt sich einfach. Ich habe schöne Kindheitserinnerungen an Ausflüge mit meinen Großeltern, die auch die eine oder andere Flussschifffahrt mit mir gemacht haben. Wohnortbedingt auf Main und Rhein: Frankfurt, Rüdesheim, St. Goarshausen… all diese „Hot Spots“ für Sonntagsausflüge eben.

Jetzt war ich aber, aus welchen Gründen auch immer, längere Zeit auf keinem Schiff mehr. Bis vor ziemlich genau zwei Jahren die Schulkollegen des Mannes zum Ausflug riefen und wir folgten. Quasi als Tourist in der eigenen Stadt fuhren wir nach Frankfurt und bestiegen eines der dort vor Anker liegenden Personenschiffe. Und ich kann Ihnen sagen: Das war großartig! Knapp anderthalb Stunden schippert man zwischen den Schleusen auf dem Main auf und ab, man hat eine neue Perspektive auf die Stadt, die ruhig an einem vorbeizieht und denkt jedes Mal, wenn man etwas vom Wasser aus sieht: „Oh… da muss ich auch mal hin, wenn ich wieder an Land bin“.

Eigentlich war im Anschluss an die Schifffahrt angedacht, noch mit dem Ebbelwei-Express zu fahren. Das ist für größere Gruppen an einem Samstag ohne Reservierung aber nicht darstellbar. Zumindest im Hochsommer. Ich denke, im Winter ist da vielleicht nicht so viel los und man kommt auch ohne Reservierung in den berühmten Express. Ich weiß das aber nicht genau, ich bin noch nie Ebbelwei-Express gefahren… Ein Umstand, den ich vielleicht mal ändern sollte.
Der Express war also rappelvoll, so bummelten wir lieber noch ein bisschen durch die Kleinmarkthalle, bevor wir über den Eisernen Steg zurückgingen nach Sachsenhausen.

Um dort von einer dieser Touristenfallen der Apfelweinwirtschaft, verschlungen zu werden. Nur so kann ich es nennen, denn an der Stelle waren meine Kindheitserinnerungen wohl etwas verklärt. Mit meiner Oma mütterlicherseits, die aus Frankfurt-Oberrad stammte, war das früher immer toll, in so einer Apfelweinkneipe zu sitzen. Heute finde ich es furchtbar. Wahrscheinlich eben wegen der vielen Touristen und Abzockerei. Deshalb merke! Auch als Tourist in der eigenen Stadt gilt es, nur dorthin essen und trinken zu gehen, wo auch die richtigen Einheimischen hingehen.

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Doch auch, wenn ich es in dieser touristisch-ausgerichteten Apfelweinwirtschaft jetzt nicht so schön fand, der Tag an sich und insbesondere die Schiffstour auf dem Main haben mein Herz sehr erfreut. In diesem Sinne: Fahrt mehr Schiff!

Noch mehr Fotos von der Frankfurter Skyline und allerlei Wasserfahrzeugen mit mehr oder weniger Bordwandhöhe dürfen Sie sich gerne in meinem flickr-Album anschauen.

Tipp! Es gibt zwei Anbieter für Panoramafahrten in Frankfurt: Die bekannten Personenschiffer Köln-Düsseldorfer. Und die Primus-Linie. Mit der wir unterwegs waren. Die Primus-Linie bietet neben der Panoramafahrt noch viel mehr Fahrten ab Frankfurt an. Zum Beispiel nach Seligenstadt und wieder zurück – diese Fahrt steht schon auf meinem Programm für diesen Sommer!
Mit der Köln-Düsseldorfer fahre ich später im Jahr vor einer anderen Skyline auf und ab…

Tipp! Hier und hier kann man ein bisschen was über die Geschichte der Fehmarner Butterdampfer nachlesen. Auf einem der Schiffe aus den 1970er Jahren war das damals mit dem dreizahnigen, singenden Seemann.

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