Kölsch Jeföhl. Oder wie aus einem doofen Abend doch noch ein schöner Vormittag wurde. {Köln. Juni 2015}

Nach unserem etwas kurz ausgefallenen Besuch des Neil-Diamond-Konzerts in Köln und dem etwas anders verlaufenen Abend als eigentlich gedacht, hatten der Mann und ich uns ja entschlossen, nicht am frühen Donnerstagmorgen wieder nach Hause zu fahren, sondern uns zur Erholung einen schönen Vormittag in Köln zu gönnen. Wir schliefen ein bisschen länger als geplant, betrieben etwas Terminmanagement und schlenderten dann gemütlich vom wirklich günstig gelegenen Motel One Köln-Waidmarkt erstmal Richtung Severinstraße.

Ich liebe es, frühmorgens durch die Straßen einer (Groß)Stadt zu laufen und diese ganz besondere Stimmung zu spüren: Wenn die Stadt, die Straßen „erwachen“, die Ladenbesitzer ihre Waren vor die Tür stellen und auf die ersten Kunden warten. Wenn die Bewohner des Stadtviertels (hier: Veedel) ihrem Tagesgeschäft zustreben und den Tag vielleicht ganz gemütlich mit einem Frühstück und/oder einem guten Kaffee außer Haus beginnen. Kurz: Diese Stimmung, wenn sich die Stadt und ihre Bewohner auf den Tag vorbereiten.
So war das auch an diesem Tag in der Severinstraße in der Kölner Südstadt. Und der Mann und ich mittendrin. Es war herrlich. Wir landeten zum Frühstücken im Café Schulze, das ich an dieser Stelle allen empfehlen kann, die einen wirklich herausragenden Kaffee trinken möchten. Ich hatte einen Milchkaffee zu meinem kleinen Frühstück und hätte mich allein schon wegen des sensationellen Milchschaums in der Tasse baden können. So köstlich. So perfekt. Aber man sagt ja, dass es dann in einem Lokal gut ist, wenn auch die Einheimischen dort einkehren. Im Café Schulze waren fast ausschließlich Einheimische: Ein großer Tisch voll besetzt mit älteren Damen aus dem Veedel, zwei Herren, die in ihre Tageszeitungen versunken waren, aber offensichtlich noch zur Arbeit mussten, ein rüstiger Senior, der sich an unseren Nebentisch setzte und uns mit dem schönsten kölschen Dialekt wissen ließ, dass er jeden Tag zum Frühstücken komme und den überaus sympathischen „Barista“ schon kenne, seit der „sooo klein jewesen is“. Dabei hält er eine Hand ungefähr einen halben Meter über den Boden. Allein schon dieser Dialekt… Herrlisch!

Gut gefüllt vom Frühstück und erfüllt von der schönen Stimmung im Café Schulze spazierten wir noch ein bisschen über die Severinstraße in Richtung des Kölner Doms. Vorbei an der Baustelle des Kölner Stadtarchivs – ein seltsames Gefühl sich das anzugucken und zu wissen, dass beim Einsturz des Gebäudes Menschen ums Leben kamen. Wenn mir das an dieser Stelle schon so geht, wie muss das dann erst hier sein? Uah… Ich mochte mir das gar nicht wirklich vorstellen und lief lieber weiter zu einer der Hauptattraktionen Kölns: dem Dom!

Ich war schon des öfteren in Köln. Zum einen im Rahmen meiner Vergangenheit als Eishockey-Fan und zum anderen als Fan des Kölner Karnevals. Aber bei keinem meiner bisherigen Aufenthalte habe ich es geschafft, den Kölner Dom von innen zu sehen. Entweder stand das Absingen von Fanchorälen im Vordergrund oder das Feiern eines jahrhundertalten Brauchtums in den bestens darauf vorbereiteten Kölner (Altstadt)Kneipen. Der Dom hat zwar auch irgendwie was mit dieser Brauchtumsfeier zu tun, aber wieso, warum auch immer, ich war noch nie im Kölner Dom. Das holte ich am vergangenen Donnerstag aber nach.

Ich kann es kaum in Worte fassen, wie sehr mich dieses Bauwerk beeindruckt hat. Ein unfassbares Gebäude. Nicht nur die Größe und die Architektur an sich, sondern auch die Bedeutung für die Menschheitsgeschichte seit dem Mittelalter. Wobei mich eine Sache am meisten beschäftigt: Die mathematischen Fähigkeiten der damaligen Dombaumeister! Wie haben die das alles berechnet? Die Statik? Die Windlasten? Ohne Taschenrechner, ohne Excel, ohne CAD-Programm. Nur mithilfe von Papier, Stift und mittelalterlichem Rechenschieber. Sensationell, oder?

Kultur macht ja immer irgendwie hungrig. Mich zumindest. Das Frühstück lag auch schon eine angemessene Zeit zurück. Aufgrund von Nachmittagsterminen zuhause hatten wir aber nicht mehr so viel Zeit, um eventuell in einem der umliegenden Brauhäuser ausgiebig zu Mittag zu essen. So stoppten wir auf dem Rückweg zum Hotel (dort stand unser Auto noch in der Tiefgarage) an einem holländisch anmutenden Imbiss und aßen eine köstliche Portion Kibbeling mit Frietjes (Kabeljau mit Pommes/Fish and Chips). Herrlich fettig, herrlich lecker.

Gut gestärkt machten wir uns anschließend auf die Heimreise und nach diesem wunderbaren Vormittag fand ein fast verkorkster Ausflug nach Köln noch einen sehr schönen, versöhnlichen Abschluss.

Schlussbemerkungen.
Dass dieser etwas anders abgelaufene Ausflug nach Köln doch noch schön wurde, lag nicht nur an uns allein, sondern hatte noch mehrere andere Faktoren:

  1. Die Menschen, die uns während des medizinischen Notfalls am Mittwoch betreuten.
  2. Die Mitarbeiter des Motel One Köln-Waidmarkt, die durch die Bank weg offen, herzlich und gut gelaunt ihren Job machten – auch, als es vor der Rezeption einigermaßen hektisch zuging.
  3. Den Kölner an sich: Er hat die Sonne im Herzen und jeder Mensch, der in seine Stadt kommt, wird herzlich begrüßt und so angenommen wie er ist. Als gehörte er schon immer dazu.
  4. Die Stadt selbst: Kölle, du bes e Jeföhl!
    Oder um es mit anderer Sänger Worte zu sagen:
    Et jitt kei Wood, dat sage künnt, wat ich föhl, wenn ich an Kölle denk…

Ich komme wieder – mit mehr Zeit!

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