Wie ich mal Neil Diamond live sehen wollte und eine rasante Stadtrundfahrt geboten bekam. {Köln. Juni 2015.}

Und das kam so: Der Mann und ich sind große Freunde der Musik von Neil Diamond. Der Mann bezeichnet es als die Musik, die ihn seit seiner Jugend begleitet und die er bis heute immer gerne hört. Ich kenne Neil Diamond im Prinzip auch schon sehr lange, jedoch nur, weil meine Eltern zu meiner Kindheitszeit Radiosender hörten, die Neil Diamond spielten. In meiner Jugend hatte ich dann andere Favoriten und bin erst vor ein paar Jahren wieder auf Neil Diamond aufmerksam geworden – nämlich zu dem Zeitpunkt, als ich den Mann (also meinen Mann, nicht Neil D.) kennenlernte und er eben wie eingangs erwähnt sehr oft Neil Diamond hörte und hört. So habe ich dann auch weniger bekannte, weil seltener im Radio gespielte Songs kennen- und schätzen gelernt.

Auf jeder unserer längeren Autofahrten läuft Neil Diamond rauf und runter. Sowohl als CD als auch über Spotify. So auch am Mittwoch, als wir uns nachmittags auf den Weg nach Köln machen. Zu einem der beiden Deutschlandkonzerte, die Herr Diamond in 2015 gibt. Nach des Mannes Herzgeschichte im Herbst 2014 haben wir uns diese Tickets gegönnt; dieses Mal wollten wir den Künstler nicht verpassen. Denn als Neil Diamond im Jahr 2011 zuletzt in Deutschland war, konnten wir aus finanziellen Gründen leider nicht dabei sein. Und ärgerten uns im Nachhinein sehr, weil die damaligen Berichte ein großartiges Konzerterlebnis beschrieben. Deshalb wollten wir also unbedingt dieses Mal dabei sein.

So treffen wir am Mittwoch gegen 18:00 Uhr im Motel One am Kölner Waidmarkt ein. Reisetasche im Zimmer abstellen, bisschen frisch machen und dann auf in die Lanxess-Arena (Die für mich immer die Köln-Arena bleiben wird. Aber das ist eine andere Geschichte.) Der Mann putzt sich nochmal die Nase und… bekommt Nasenbluten. Wir warten kurz, legen etwas Kühles in den Nacken. Die Blutung hört auf. Um kurz darauf – wir standen schon an der Straßenbahnhaltestelle – wieder anzufangen. Der Mann dreht sich einen Taschentuchtampon für die Nase, um so die Blutung zum Stillstand zu bringen. Er nimmt blutverdünnende Mittel; es ist also ein Stück weit normal, dass die Blutgerinnung etwas dauert.

In Köln. In der Lanxess-Arena.

Wir kommen an der Arena an und nehmen unsere Plätze ein – Unterrang, 1. Reihe. Direkt hinter den Sitzplätzen im Innenraum. Beste Sicht auf die Bühne. Um 20:15 Uhr ist es dann soweit: Neil Diamond betritt die Bühne und legt los mit I’m a believer! Eine sensationelle Version des von ihm komponierten und dereinst von „The Monkees“ im Original vorgetragenen Songs. Es folgen Love on the rocks, Hello Again und Pretty Amazing. Mir laufen ein paar Tränen, weil ich so froh und dankbar bin, dabei sein zu können.

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Neil Diamond in der Lanxess-Arena in Köln.

Doch so richtig genießen kann ich es nicht. Der Mann auch nicht. Denn er hat noch immer Nasenbluten. Das es so lange andauert ist jetzt nicht mehr normal und wir müssen handeln. Wir verlassen unsere Plätze und machen uns auf die Suche nach dem Sanitäter-Stützpunkt. Ein sehr, sehr netter Mitarbeiter der Gästebetreuung der Lanxess-Arena kommt uns entgegen, bietet uns seine Hilfe an und bringt uns in das Kleinkrankenhaus in den Katakomben der Arena. Auch hier sehr nette und kompetente Hilfe durch die Sanitäter der Johanniter-Unfall-Hilfe. Die Erkenntnis des untersuchenden Notarztes: „Das muss in der Klinik verödet werden. Wir organisieren mal einen Transport.“

Wir sind nur kurz geschockt, denn ändern können wir es sowieso nicht. Keine zwei Minuten später steht auch schon die Besatzung des Krankenwagens (Fachbezeichnung RTW) vor uns. Und – das kann ich an dieser Stelle schon sagen – nimmt uns durch ihre lockere, aber doch ernsthafte, kompetente und resolute Art und Weise mit dem Patienten und mir als Begleitperson umzugehen, jegliche Nervosität. Die Rettungsassistentin kümmert sich um den Mann, der Fahrer kümmert sich um mich. Die beiden bieten mir an, doch wieder zurück in die Halle zu gehen und das Konzert zu Ende zu erleben. Aber ganz ehrlich? Das hätte ich nicht gekonnt. Wie hätte ich das genießen sollen? Ich sitze dann da und der Mann, der sich ja fast noch mehr auf dieses Konzert gefreut hatte wie ich, ist im Krankenhaus und ich weiß nicht, was mit ihm passiert. Nein, in der Arena auf den Mann zu warten, kommt für mich nicht in Frage. Da bin ich vielleicht auch durch die Erlebnisse im Herbst zu sehr geprägt.

Eine besondere Stadtrundfahrt.

So kamen wir in den „Genuss“ einer Stadtrundfahrt der besonderen Art: Eine Rettungsfahrt mit Alarm. Klingt dramatisch, war es aber zum Glück nicht. Es musste nur einfach ein bisschen schneller gehen. Denn die normale Fahrt hätte zu lange gedauert, da sich das Krankenhaus mit der einzigen HNO-Notfallambulanz Kölns in der Peripherie in Köln-Holweide befindet und eine normale Fahrt dorthin schon länger dauert. Dazu kommt noch die aktuelle Straßen- und Brückensperrungssituation in Köln. Zudem sollte dem Patienten keine weitere Stunde mit Nasenbluten zugemutet werden.

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Im RTW. Zum Glück nur auf dem Beifahrersitz.

Nach ungefähr einer Viertelstunde sitzen wir im Krankenhaus Holweide in der Notfallambulanz. Auch hier sehr liebe Menschen, die sich ganz wunderbar um den Patienten kümmern. Auch haben wir Glück, dass die diensthabende HNO-Ärztin nicht anderweitig beschäftigt war und den Mann somit schnell versorgen kann. Sie führt notwendige Untersuchungen und Maßnahmen durch, verödet das Äderchen, instruiert den Mann, wie er sich nasenputztechnisch und sportlich zu verhalten habe und wünscht uns alles Gute. Ob wir denn jetzt zurückgingen zum Konzert?

Das fragt uns denn auch der Fahrer des Taxis, das uns die Schwestern der Notfallambulanz gerufen hatten. Es war mittlerweile kurz vor 22 Uhr. Bis wir wieder in der Halle gewesen wären, wäre es ungefähr 22:30 Uhr gewesen. Da von Anfang an nicht damit zu rechnen war, dass das Neil-Diamond-Konzert bis 23 Uhr dauern würde und wir auch von diesem Verlauf des Abends ziemlich mitgenommen und müde sind, lassen wir uns direkt zum Hotel fahren. Selbst auf einen kleinen „Absacker“ im Motel One haben wir keine Lust mehr. So endet unser Konzertausflug nach Köln eben ohne wirklichen Konzertbesuch um 22:45 Uhr im Hotel.

Das Beste daraus machen.

Ursprünglich hatten wir geplant, am nächsten Tag sehr früh wieder nach Hause zu fahren. Diesen Plan haben wir aufgrund der besonderen Vorkommnisse kurzfristig geändert. Wir konnten unsere Donnerstag-Termine verlegen und haben aus unserem Vormittag in Köln dann noch das Beste gemacht. Das erzähle ich aber später.

Ein besonderer Ausflug – wenn auch mit einer anderen Geschichte als ich sie eigentlich erzählen wollte.

Vielleicht doch noch mal ein Live-Erlebnis mit Neil Diamond.

Natürlich bedauere ich es ein bisschen, dass wir das Konzert nicht in voller Gänze erleben konnten. Aber die Gesundheit ist das höchste Gut und geht absolut vor. Ob wir ein Live-Konzert zu einem späteren Zeitpunkt werden nachholen können? Keine Ahnung. Für das Konzert in München heute Abend ist es leider ein bisschen zu spät. Und dass ich einen wohlwollenden Sponsor für eine Reise zu den weiteren Europa-Konzerten oder gar nach Las Vegas finden werde, ist auch eher unwahrscheinlich. So höre ich erstmal weiter unsere CDs, lese die Online-Berichte zum Konzert in Köln und werde mir die Setlist in Spotify zusammenstellen. Auch wenn das nicht immer die Versionen sein werden, die live dargeboten wurden. Aber ich habe am Mittwoch wenigstens die ersten vier Lieder gehört und Neil Diamond – wenn auch nur kurz – einmal live erleben dürfen. Und vielleicht habe ich ja Glück und der Mann bleibt auch weiterhin so fit, wie er es jetzt mit 74 Jahren noch ist, und kommt schon bald wieder nach Deutschland. Dann bin ich gerne wieder dabei. Auf besondere Vorkommnisse verzichte ich dann aber gerne.

Besondere Erwähnung.

Ein besonderer Dank geht an alle Beteiligten der Gästebetreuung in der Lanxess-Arena. Es tat gut, so direkt geholfen zu bekommen und völlig unproblematisch an allen vorbei in die Katakomben gebracht zu werden. Die unaufgeregte Art der Sanitäter und Notärzte der Johanniter-Unfall-Hilfe im Kleinkrankenhaus in ebenjenen Katakomben der Arena war ebenso hilfreich und unterstützend. Ein großer Dank auch an die Besatzung des Rettungstransportwagens, die uns trotz ihrer vollen Konzentration auf den Einsatz und die Rettungsfahrt mit Alarm noch bei Laune gehalten hat mit Anekdoten und Informationen aus ihrer und über ihre Heimatstadt. Erwähnenswert auch die diensthabende ärztliche und „schwesterliche“ Besetzung der Notfallambulanz im Krankenhaus Holweide. So stressfrei und gut gelaunt trotz vieler Patienten habe ich noch keine Notaufnahme erlebt.

Vielleicht liegt diese unaufgeregte und offene Art aber auch einfach an der Stadt und dem Kölner an sich. Was ich mir dazu für Gedanken gemacht habe, erzähle ich aber ein anderes Mal.

5 Gedanken zu „Wie ich mal Neil Diamond live sehen wollte und eine rasante Stadtrundfahrt geboten bekam. {Köln. Juni 2015.}

  1. Tante Emma

    Achherrje, ich sollte öfters vorbeikommen…

    Das ist ja wirklich sehr sehr schade, dass der Konzertbesuch für Euch so ein jähes Ende gefunden hat, aber wie Du es schon schreibst: Gesundheit geht vor. Ohne sie ist alles nichts.

    Aber eine Rüge muss ich erteilen: Da seid ihr SO nah und sagt nicht Bescheid? Tse!

    Antwort
    1. Nicole Autor

      Ähm ja… an die Nähe zu Euch habe ich irgendwie gar nicht gedacht. Sorry!
      Aber im Oktober sind wir auch wieder in Köln – selbe Halle, anderer Künstler und hoffentlich bessere Grundvoraussetzungen – dann sag ich auf jeden Fall vorher Bescheid. 🙂

      LG
      Nicole

      Antwort
      1. Tante Emma

        Das macht ja nix, ich wollts nur mal erwähnen. 😉
        Ja, bitte Bescheid sagen und bitte nicht wieder die Domstadt vollbluten. ❤
        Liebe Grüsse
        Tante Emma 😉

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