Trostspendend. {Trotz Wut im Bauch}

Seit vorgestern abend habe ich so richtig Wut im Bauch. An diesem Abend erreichte mich nämlich eine E-Mail: Meine Bewerbung vom 25.11.2014 (in Worten: November 2014) an ein mittelständisches Gebäudeentwerfer-Büro wurde mit Datum 23.03.2015 (in Worten: März 2015) dann doch noch beantwortet.

Vier Monate für eine Absage. Respekt. Damit ist dieses Unternehmen in meinem persönlichen Ranking „Die längste Wartezeit auf eine Reaktion auf eine Bewerbung“ recht weit vorne. Den ersten Platz hält seit mehreren Jahren ein großer deutscher Dienstleistungs- und Baukonzern, der elf (11!) Monate gebraucht hat, um mir eine Absage und meine Unterlagen zurück zu schicken. Und das macht mich wütend. Bei allem Verständnis für viel Arbeit, wenig Zeit, keine Terminfindung mit weiteren Entscheidungsträgern, aber ich finde es unverschämt und vor allen Dingen respektlos dem Bewerber gegenüber, sich so lange Zeit zu lassen mit einer Antwort. Auch wenn es „nur“ eine Absage ist und sich der Bewerber mittlerweile wahrscheinlich selbst gedacht hat, dass er nicht in der engeren Auswahl ist. Aber immerhin, es gab überhaupt eine Antwort. Es gibt ja noch genug Unternehmen, die auf Bewerbungen überhaupt nicht antworten. Weder auf Initiativbewerbungen noch auf Bewerbungen aufgrund einer vom Unternehmen geschalteten Stellenanzeige.
Top-Platzierungen nehmen die Organisationen ein, die auch dann keinerlei Reaktion zeigen, wenn der Bewerber sich mit einer E-Mail nach dem Stand der Dinge erkundigt.

***

Angesichts des tragischen Flugzeugunglücks in Südfrankreich erschien mir meine Aufregung über unorganisierte Firmen dann aber doch sehr banal. Was soll ich mich aufregen? Ich weiß, was ich von solch langen bis gar keinen Reaktionszeiten zu halten habe und bin froh, dass die Bewerbung abschlägig beschieden wurde. Ich könnte so nicht arbeiten.

Doch heute früh kam meine Wut im Bauch zurück. Beim Anblick der Schlagzeile meiner Tageszeitung. Ein kleines regionales Blatt. Keine große deutsche Tageszeitung. Die Überschrift lautet „Es*gibt*nichts*außer*Leichen“ und darunter das unverpixelte Bild eines in Tränen aufgelösten und sichtlich erschütterten Angehörigen aus Spanien. Ich war – und bin immer noch – fassungslos! Ein solches Niveau, wenn man in dem Fall überhaupt davon sprechen kann, hätte ich von diesem kleinen Blatt nicht erwartet. Noch warte ich auf eine Reaktion der Redaktion. Aber die Beschwerde beim Presserat ist in Vorbereitung.

Und auch, wenn es im Moment nur ein schwacher Trost für alle Menschen sein mag, die von dieser Tragödie betroffen sind oder aus anderen Gründen traurig sind: der Sonnenaufgang heute morgen schickte ein Licht der Hoffnung!

20150325_Trost
Deshalb beschließe ich diesen Beitrag mit dem Foto des heutigen Sonnenaufgangs und Textzeilen aus einem Lied, das mir schon mehrfach Trost gespendet hat…

Immer, immer wieder geht die Sonne auf
und wieder bringt ein Tag für uns ein Licht.
Ja, immer, immer wieder geht die Sonne auf,
denn Dunkelheit für immer gibt es nicht…
(Udo Jürgens)

3 Gedanken zu „Trostspendend. {Trotz Wut im Bauch}

  1. Nicole

    Liebe Nicole,
    ich war selbst längere Zeit Personalerin und mein primäres Arbeitsfeld war das Bewerbermanagement. Ich hatte durchschnittlich ca. 30 Bewerbungen pro Tag auf dem Schreibtisch und führte mehrere Stunden am Tag Vorstellungsgespräch. Da konnte es schon mal eng werden. Aber ich habe immer innerhalb einer Woche jedem einzelnen Bewerber geantwortet (wenn’s zeitlich eng wurde, habe ich zumindest kurz angerufen), für mich war das selbstverständlich.
    Das, was Du schreibst, habe ich auch sehr, sehr oft hören müssen von Bewerbern, denen das gleiche bei anderen Firmen passiert ist, und ich war – und bin es auch jetzt wieder – schockiert, dass es manche Personaler oder wer auch immer dafür zuständig ist, nicht auf die Reihe bekommen, auf Bewerbungen zügig reagieren. Schließlich haben wir es mit Menschen zu tun und diese muss man mit Respekt behandeln (hab ich schon im Kindergarten gelernt). Kaum jemand bewirbt sich aus „Spaß an der Freude“, sondern hat eine Erwartungshaltung und Hoffnungen etc. Scheinbar wird das oft vergessen. Schade!

    Sorry, aber auch wenn ich nicht mehr in diesem Beruf arbeite, so regt mich das immer noch auf und daher verstehe ich Deine Wut. Ich wünsche Dir, dass es beim nächsten Mal besser läuft.

    Liebe Grüße
    Nicole

    PS: Zu der Zeitung kann und möchte ich nichts schreiben, denn diese Schlagzeile macht mich sprachlos.

    Antwort
    1. Nicole Autor

      Liebe Nicole,

      danke für Deine Ansichten und Einblicke in Deine Art des Bewerbermanagements. Sehr interessant! Bei 30 Bewerbungen am Tag habe ich natürlich auch Verständnis, wenn es mal ein bisschen länger dauert. Umso toller finde ich es dann, dass Du Dich kurz beim Bewerber gemeldet hast – das hätte ich mir von dem einen oder anderen Unternehmen auch gewünscht, so als Zeichen der Wertschätzung.

      Vielen Dank – auch für Deine guten Wünsche!

      LG
      Nicole

      Antwort
      1. Nicole

        Liebe Nicole,

        ein kurzes Feedback an den Bewerber ist das Mindeste, denke ich. „Wertschätzung“ – genau DAS ist das Stichwort. Ich wünschte mir auch, dass mehr Personaler das ihren Bewerbern entgegenbringen würden.

        Liebe Grüße
        Nicole

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