Zwei Tage im Alten Land. {Über die Freundschaft}

Ich erwähnte ja neulich schon mal meine Liebe zum Hering und dem Geschmack vor Ort. Dieser Leidenschaft – insbesondere zum Bismarckhering – konnte ich vor gut zwei Wochen wieder frönen. Und das kam so:
(Achtung! Es folgt etwas Text. Aber auch viele schöne Fotos!)

Vor fünfzig Jahren lernen die Eltern des Mannes im Skiurlaub ein Pärchen auf Hochzeitsreise kennen. Man ist sich sofort sympathisch und verbringt lustige Urlaubstage im Schnee bei Saalbach. Das flitternde Pärchen stammt aus dem Alten Land bei Hamburg: Ein Obsthofbesitzer mit seiner frisch angetrauten Gattin. Deshalb auch die Hochzeit im Januar. Den Rest des Jahres hat so ein Apfelbauer nämlich (fast) nur Augen für seine Äpfel. Und seitdem der „Appelbuur“ seine naturbelassenen Äpfel auf verschiedenen Hamburger Wochenmärkten direkt vermarktet, hat er auch im Januar für nicht viel anderes Augen als für Äpfel. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Freundschaft zwischen den Eltern des Mannes und besagtem damaligen Hochzeitspaar wuchs über die Jahre und besteht bis heute! Und setzt sich in den nächsten Generationen bereits fort. Die Eltern sehen sich – alters- und krankheitsbedingt – nicht mehr ganz so regelmäßig wie früher. Wir Jüngeren sehen uns ein bisschen öfter. Und sei es nur für wenige Stunden, wenn wir auf der Durchreise sind. Doch zu runden Geburtstagen und besonderen Familienfeierlichkeiten lädt man sich immer gegenseitig ein und versucht alles, auch dabei sein zu können. So auch vor gut zwei Wochen zur Goldenen Hochzeit des eingangs erwähnten Paares.

Aus vielen bildhaften Erzählungen, von Fotos und dank Super-8- und Videofilmen der Familie des Mannes habe ich das Gefühl, ich war schon immer bei allen gemeinsamen Erlebnissen und Feierlichkeiten dabei. Dabei kenne ich die „Appelbuur“-Familie erst seit Herbst 2007, als der Mann und ich – gerade ein paar Monate zusammen – für eine Woche nach Fehmarn fuhren und unsere Tradition begannen, am Groß Neumarkt zu stoppen, um den Apfelfreund zu überraschen. Aber schon bei dieser ersten Begegnung fühlte ich mich mit diesen Menschen wohl. Und das ist bei mir wirklich selten; ich hab‘ es nicht so mit fremden Menschen und bin bei ersten Begegnungen etwas zurückhaltend.

Wie gesagt, ich hatte aus Erzählungen eine ungefähre Vorstellung, was mich bei Feierlichkeiten im Alten Land erwartet. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht: viel Essen, viel Trinken, gute Unterhaltung und ganz viel Lachen. Dazu eine sensationelle ‚Location‘ wie man heute sagt: Das Fährhaus Kirschenland. Wir feierten in einem kleineren Raum, der große Saal war bereits eingedeckt für eine am nächsten Tag stattfindende Trauerfeier mit 300 Personen.

Zu essen gab es reichlich: Eine kleine Vorspeise, dann Suppe (für jeden 10-Personen-Tisch mehrmals mehrere riesige Suppenschüsseln mit Hochzeitssuppe), im Anschluss der Hauptgang bestehend aus Fleischplatten, Kroketten, Salzkartoffeln, kleinen Kartoffelklößen, frittierten Ananas und Pfirsichen, Rotkraut, Rosenkohl… Für jeden Tisch gab es die jeweilige Schüssel immer zwei Mal. Und kaum war zum Beispiel eine Suppenschüssel oder eine Fleischplatte zu zwei Dritteln geleert, kam diese weg und dafür eine volle Platte zurück. Hab‘ ich so noch nie erlebt.

HochzeitssuppeHauptgang im Fährhaus Kirschenland
Zwischendrin zwei kurze Reden und ein paar gemeinsam gesungene Lieder zu Ehren des Jubelpaares. Nicht zu vergessen: Köm. Zum Anstoßen. Immer wieder gern. Die Gelegenheit zum Verdauungsspaziergang zwischen Nachtisch und Kaffeetrinken nutzten wir gern.

Butterkuchen
Den Abend verbrachten wir, wenn auch ein bisschen überfressen, so doch ganz entspannt im kleinen Kreis bei unseren Familienfreunden zuhause. Die Zeit verging wie im Flug, vor allem auch, weil der alte und junge Apfelbauer so interessant und spannend über den Obstanbau im Kleinen und im Großen und das Geschäft mit den Äpfeln überhaupt erzählen können. Dass wir einen Riesenberg Äpfel mit nach Hause nehmen, versteht sich von selbst.

Wir übernachteten im Fährhaus, wo es dann freitags morgens ein ausgiebiges Frühstück gab mit dem Goldhochzeitspaar sowie den Eltern des Mannes, die sich im Anschluss auf die Heimfahrt machten. Wir machten uns zunächst auf zu einem kurzen Spaziergang über den Deich: Elbe gucken. Und den alten und mittlerweile verfallenen Fähranleger bestaunen.


Der Papa des jüngsten Familienmitgliedes musste leider noch ein geschäftliches Telefonat führen bevor wir uns nach Finkenwerder begaben, um mit der Hafenfähre an die Landungsbrücke zu schippern.


Wo ich dann endlich, endlich in den Genuss meines geliebten Bismarckhering-Brötchens kam. Ich hatte ja so lange nichts gegessen… Und weil ein Bismarckbrötchen (mich bekanntlich) nicht satt macht und wo wir schon mal da waren, teilte ich mir mit dem Mann noch die leckerste Portion Fish & Chips, die ich je gegessen habe. (Ich war noch nicht in England, kann Fish & Chips dort also nicht beurteilen. Aber wenn ich wieder in Hamburg bin, esse ich meine Fish & Chips und mein Bismarckbrötchen wieder bei Fischbrötchen König an den Landungsbrücken.)

Endlich wieder ein richtiges Fischbrötchen!

Endlich wieder ein richtiges Fischbrötchen!

Wir genossen zwei Stündchen Hamburger Luft, die gemeinsame Zeit, machten ein lustiges Erinnerungsfoto mittels eines Fotoautomaten und freuten uns wie Bolle, dass uns genau in diesen beiden Stunden die Sonne hold war.


Aber auch wir mussten uns irgendwann auf den Rückweg nach Hessen machen. Denn für Samstag stand ein runder Geburtstag auf dem Plan. Und das Kofferpacken. Denn am Sonntag (25.01.2015) ging es in den Winterurlaub. Davon aber ein anderes Mal.

Tschüß, Hamburg, meine Perle!

Auf der Elbe, Hamburg, Blick zurück

Ich komme auf jeden Fall wieder. Hoffentlich mal für ein paar Tage länger.

 

3 Gedanken zu „Zwei Tage im Alten Land. {Über die Freundschaft}

  1. fraumasulzke

    ach wie schön…im Kirschenland hab ich auch mal ganz groß gefeiert (jahrelang in Finkenwerder gewohnt)…freut mich, dass es das noch gibt!
    Jetzt bin ich übrigens auch in Hessen ;o)
    VG fraumasulzke

    Antwort
    1. Nicole Autor

      Cool, dass ich jetzt quasi noch jemanden „kenne“, der das Fährhaus Kirschenland auch persönlich kennt.
      Dass Du jetzt in Hessen lebst, habe ich via „Nah. Näher. Norden.“ schon mitbekommen. Ich hoffe, es gefällt Dir hier, wir Hessen sind ja manchmal etwas speziell… ;o) Werde mich mal durch Deinen Blog lesen, um herauszufinden, warum es Dich vom Norden hierher verschlagen hat.

      Herzliche Grüße,
      Nicole

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s