Schmeckt mir nur am Meer.

Hier geht es ja in letzter Zeit auffallend oft um den Norden, die Nordsee, Wellen, Wind und „norddeutsches“ Essen. Wobei sich das gestern bei WMDEDGT eher zufällig ergeben hat, dass es da um Hering ging. Doch das brachte mich auf die Idee zum heutigen Beitrag. Denn ich esse Fisch nicht von Kindesbeinen an. Ich brauchte eine Weile. Mit Brathering fing es an. Den hat mein Papa schon immer gern gegessen (tut das auch heute noch) und irgendwann, ich war so ungefähr 13 oder 14 Jahre alt, da wollte ich das mal probieren. Schmeckte mir. Mittlerweile ist die Bratheringsfiletliebe allerdings nicht mehr so groß. Macht aber nix, ich esse Hering nun eben in anderen Zubereitungsformen. Wobei ich nicht direkt vom Brathering zu anderen Heringsspezialitäten kam. Das war anders.

Nämlich 1986. Meine Eltern waren im Jahr zuvor auf Sylt und wollten mir im Folgejahr (eben 1986) diese großartige, wunderschöne, einzigartige Insel zeigen. Es war ein toller Urlaub. Mit Hamburger Familienfreunden wohnten wir in einer kleinen Frühstückspension in Wennigstedt. Damals noch mit Bad und Toilette auf dem Flur! Heute nicht mehr. Leider sind dort keine Hunde erlaubt, sonst wohnte ich wahrscheinlich immer dort. Jedenfalls erkundeten wir die Insel: Strandspaziergänge ohne Zahl, Promis gucken bei Leysieffer in Westerland und in der Sansibar in Rantum, eine Wanderung um die Hörnum Odde, die damals sehr viel länger dauerte als heute. Früher war das ein stundenlanger Marsch, heute dauert es keine Stunde mehr, bis man die Südspitze umrundet hat. Gegen die Naturgewalt ist der Mensch nunmal machtlos.
Sehr informativ auch diese Seite: schleswig-holstein.de.

Südspitze von Sylt (Hörnum Odde)

Quelle: shz.de

Und wer viel an der frischen Luft ist, der bekommt Hunger. Und was gehört zu Sylt wie Max zu Moritz? Genau. Die „Nördlichste Fischbude Deutschlands“.  1986 also nach einem langen Strandspaziergang fuhren auch wir nach List, um zu „goschen“. Keine Ahnung, ob man das damals schon sagte. Jetzt aß ich aber ja außer ab und an mal Brathering keinerlei sonstigen Fisch. Ein Marmeladenbrot wollte ich bei Gosch aber auch nicht geschmiert bekommen. Möglicherweise noch mit Läuten der großen Schiffsglocke. Wie peinlich, wenn man 16 Jahre alt ist. Der Hamburger Familienfreund überredete mich zu einem Bismarckhering-Brötchen. Ich traute mich und habe es bis heute nicht bereut. Ich liebe Bismarckhering. Auf’m Brötchen aber bitte ohne Zwiebeln. Gerne mit mehr Gurke.

Jetzt macht so ein kleines Brötchen mit Bismarckhering nicht unbedingt satt, wenn man sich in der Pubertät befindet (heute auch noch nicht, aber das ist eine andere Geschichte). Noch ein Fischbrötchen wollte ich nicht. Aber ich war so in Probierlaune, nahm allen Mut zusammen und holte mir eine Portion gegrillte Garnelen. Mit Knoblauchsoße. Und hatte mein neues Leibgericht entdeckt. Fortan aß ich in jedem Sylt-Urlaub fast täglich gegrillte Garnelen. Und Fischbrötchen.
Der letzte Urlaub auf Sylt ist inzwischen aber auch schon wieder fast vier Jahre her. Es gab also lange keine gegrillten Garnelen oder so ein richtig feines Heringsbrötchen mehr. Gosch ist zwar mittlerweile eine Weltmarke (möchte man meinen), aber Garnelen mit Knoblauchsoße schmecken nunmal am Frankfurter Hauptbahnhof nicht so wie in küstennahen Orten. Zum Glück hat Gosch eine Dependance SPO.  So konnte ich meinen Garnelen-Heißhunger im letzten Nordseeurlaub stillen.

So kam das also, dass ich anfing, Fischbrötchen zu essen. Im Laufe der Jahre steigerte sich das dann immer mehr zur Heringsliebe. Und Garnelen, falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte. Nur noch neun Monate bis zum Nordsee-Urlaub. Dann habe ich das alles wieder. Denn so richtig schmecken tut mir das alles eben nur am Meer.

 

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